Freitag, 5. Oktober 2007

Die Hoehen von Bolivien

Endlich in Bolivien - aber eigentlich sieht's doch gar nicht anders aus? Oder doch - wenigstens finanziell: wenn wir in Peru fuer eine einfache Mahlzeit 10 Soles zahlten, sind es in Bolivien auch 10 Bolivianos, mit dem Unterschied 10 Soles = 4 Franken / 10 Bolivianos = 1.50 Franken!

Als erstes huepften wir in Copacabana direkt auf ein Boot zur Isla del Sol. Diese Insel war fuer die Inkas der Geburtsort ihrer Ureltern und fuer uns eine Gelegenheit mal wieder ein bisschen Ruhe zu geniessen. Das Motto der naechsten Tage war: gut Essen, Sonne geniessen, Insel erkunden, die unzahligen Esel, Schweine und Schafe zaehlen und die Aussicht ueber den Titicacasee geniessen. Die Insel erinnerte von der Vegetation her sehr an Griechenland im Fruehling, und die Menschen wollen hier noch wirklich wissen wie es einem geht. Alles wird in der Gemeinschaft erledigt, eines Morgens konnten wir sogar die Schlachtung eines Schweines miterleben...!

Einmal muss man sich jedoch auch vom Paradies verabschieden... - tucker, tucker ans Festland! Am naechsten Tag ruettelte unser Bus nach La Paz und dann gleich weiter nach Oruro. Tja, Oruro war nicht gerade die Touristendestination, eine lotterige Stadt in der Wueste mit einer Ghuederhalde von 1 km um die Stadt. Aber eben ein notwendiger Zwischenstopp nach Potosi.
Potosi gilt als die hoechste Stadt der Welt - auf 4060m hat es wohl auch seine Berechtigung. Zum Glueck sind wir uns aber schon einiges an sauerstoffarmer Luft gewohnt, und so kamen wir nur noch selten ins Schnaufen. Die Stadt ist bekannt fuer den lokalen Berg Cerro Rico, der schon voellig durchloechert ist, da seit Jahrhunderten dort Erz abgebaut wird. Anfangs war es vor allem Silber, heute sind es nur noch ein paar andere Metalle. Wir besuchten das Casa de la Moneda, in dem die ganze Verarbeitung des Silbers zu Muenzen erklaert wurde. Die sonst fast obligate Minentour - Adventure pur waehrend die Arbeiter dort langsam zugrunde gehen - liessen wir aus.

Auf der Weiterfahrt nach Sucre wurden wir von der Schweizerin Mirjam begleitet, welche uns dann auch in den naechsten Tagen Gesellschaft leistete. Sucre ist die formelle Hauptstadt Boliviens (nein, nicht La Paz!) und mit ihren kolonialen Gebaeuden wohl auch die schoenste.

Wie es der Zufall so will, fand gerade eine riesige Fiesta statt. Fast wie an einer Fasnacht musizierten die durch die Strassen ziehenden Gruppen, gefolgt von Horden von Tanzgruppen in schoenen Kleidern.

Wir verpassten die Tour am naechsten Tag und leisteten uns halt dann ein Taxi zu dem 65km entfernten Markt in Tarabuco. Zwar waren ein paar Touribusse beim Dorfeingang stationiert, aber der Maerit gehoert wohl zu den urspruenglichsten, die wir bisher gesehen haben. Die Maenner tragen dort die traditionellen Ponchos und Lederhuete (die an alte Armeehelme erinnern) und die Frauen wie ueblich ihre 20 Roecke und Melonen. Ausserdem war der einzige Fernseher an einem Marktstand eine solche Attraktion, dass wir uns fast nicht wagten zwischen den Menschen und dem Fernseher durchzugehen...! Natuerlich liessen wir uns von den wunderschoenen Textilien verleiten, feilschten um Preise, scherzten mit den Verkaeufern und verkoestigten uns mit einem feinen Fleisch-Gemuese-Kartoffel Gericht. Voll bepackt kurvten wir mit den Taxi heimzu, zum Teil auf Kollisionskurs mit Herden von Schafen...!

Am Tag darauf war Sightseeing angesagt, wir schlenderten gemuetlich vorbei an den schoenen Haeusern und Kirchen... und genossen die Waerme (Sucre liegt auf nur ca. 2700m) bei einem Pik-nik im Park. Das natuerlich, nachdem wir kraeftig Gemuese, Brot und Kaese auf dem lokalen Markt eingekauft hatten.

Eine Nachtfahrt im bequemen Liegesessel brachte uns zurueck nach La Paz, wo wir uns fuer unsere Verhaeltnisse eher gediegen (aber dennoch guenstig) niederliessen.

An diesem ersten Tag lernten wir schlendernd unsere Umgebung kennen und besuchten die umliegenden Maerkte. Auf dem Schwarzmarkt handelten wir um einen Seesack fuer unsere vielen Souvenirs, auf dem Hexenmarkt konnten wir die getrockneten Lamafoeten und Froesche bewundern und auf dem Artesaniamarkt wurde nochmals maechtig Souvenirs geshoppt.

Auf unserem Ausflug auf den Chacaltaya brachen wir dann erneut unseren Hoehenrekord - ca. 5600m! Wow, doch erstaunlicherweise blieb uns nicht mal gross die Luft weg - oder eher vor staunen. Die umliegenden 6000er waren sehr beeindruckend! Nachher gings mit unserem Holperbus ins Valle de la Luna - eine beeindruckende Mondlandschaft, die nur leider groesstenteils verbaut ist und nur so von Touris strotzte. Tja, nur von wegen nix merken von der Hoehe - am Abend litten wir alle unter ueblen Kopfschmerzen!

Am naechsten Tag wachte Sarah mit denselben wieder auf - aber irgendwie schafften wir es alle im vollgestopften Minibus nach La Cumbre 4700m und unserem Ausgangspunkt fuer die Downhill-Biketour ueber die gefaehrlichste Strasse der Welt. Boooaah, denkt ihr jetzt sicher - aber das war bis vor einem Jahr als saemtlicher Verkehr von La Paz ins Tiefland ueber diese schmale, ungeteerte Strasse fuehrte. Denn seit Dezember 2006 existiert eine neue geteerte Strasse und somit kann man von Glueck reden wenn einem ueberhaupt ein Auto begegnet.

Zuerst sausten wir mit den Bikes 25km mit Asphaltstrasse hinunter, erst dann wurde es ein bisschen nervenkitzlig - die Schotterpiste faellt auf der Canyonseite bis zu 300m steil hinunter. Wunderschoen konnten wir beobachten wie sich die Vegetation veraenderte, von den ehemals 4700m erreichten wir nach 5 Stunden das Doerfli Coroico auf 1750m! Wow eine geniale Abfahrt ging mit planschen im Swimmingpool und einem feinen Buffetzmittag zu Ende. Oder doch nicht? Denn der Tag war noch laange nicht zu Ende, nach einer Weile Fahrt Richtung La Paz streikte der Minibus - bis endlich Kuehlwasser nachgefuellt werden konnte verging eine Weile - mit viel Gas geben, Minibus anstossen und Palaver klappte es schlussendlich. Nur durfte unser Globi-Fahrer einfach nicht mehr anhalten bis die Batterie wieder aufgeladen war.

Endlich waren wir wieder zurueck in La Paz und packten die vielen Einkaeufe in den Seesack.... und um 3.00 Uhr schrillte schon wieder der Wecker. Abreisetag fuer Julia - nach einem feinen Kaffee am Flughafen verabschiedeten wir uns herzlich von Pesches Mami. Wir koennen auf eine schoene Zeit mit super Erlebnissen zu Dritt zurueckblicken! Merci Julia!

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